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Die Taufe
Оригинал
1
In des Dreikönigsfestes Abendfrösten*
wird dick das Blut, die Träne, statt zu trösten,
gerinnt. Fabrikrauchs Wolken spärlich wallen,
trüb schimmert Licht durch Ritzen oder Spalten.
Die Welt erscheint in Schnee verpuppt, versponnen,
dünn sickert Dampf durch Fensterkitt. Versonnen
und schwerelos senkt sich die Nacht der Träume
aufs grobe Fachwerk holzumbauter Räume
und merkt sich an mit Mondes Strahlen, langen,
all das, was ihr am Abend war entgangen.
2
Was hat im Hause man gespeist, getrunken?
Im Ofen heulte Glut, es wurd gesungen.
Der Hausherr, sauber vor dem Feste, nüchtern,
bat um Verzeihung Hausfrau schüchtern.
Und sie umarmt ihn, greift nach seinen Händen,
gesenkten Blicks lauscht sie ihm bis zu Ende.
Im Fenster bebte die vereiste Scheibe,
sie spiegelte vom Raum nichts noch vom Weibe,
und war sie blind auch und vom Reif beschlagen,
bezeugt’ sie doch das nächtliche Gelage.
3
Sie gingen dann zum Fluss, zum Uferrande,
die beiden, hielten eng sich aneinander
(wie Pinguine laufen auf dem Eise)
und machten Feuer an aus trocknem Reisig.
Schlugen ein Eisloch dann. Und als vom Laube
ein Wölkchen Rauch aufstieg, sahn sie’s als Taube.
Das Feuer loderte, es knackten Äste.
Nicht wölfisch schien es hier, fernab vom Feste,
vom lauten Feiern in den frohen Runden,
wie sie schon lange aus dem Dorf verschwunden.
4
Sie wischten von der Stirn den Schweiß, entkleidet.
Sprangen zugleich. Ins Nichts hinein, die beiden.
So plötzlich, spurlos sie vom Eis verschwanden,
als hätt’s sie nie gegeben miteinander.
Kein Plätschern mehr zum Abschied, auch kein Echo,
das ihnen nachrief noch ein Hohngelächter.
Das Loch im Eis, die Filzstiefel verschwommen,
die Glutstückchen im Feuer still verglommen...
Die Sonne kam herauf, des Tages Wächter,
erhellte bald den Fluss, den Wald, die Dächer,
5
und es war klar und kalt, ward klar befunden:
ein Mann mit einer schönen und gesunden
und splitternackten, so wie er, Gefährtin;
sie liefen, keinem festen Ziel sich nähernd,
wie Adam, Eva – liefen miteinander
dahin, wo ’s Flusses Bett nach links mäandert,
sie hielten dicht am Ufer sich und liefen
den langen Beinen zu der hohen Kiefern,
bis endlich sie auf Eiseszelte stießen –
auf grausig schöne, machtvollkommne Riesen.
20. Januar 1996
Übersetzung aus Russisch von Erich Ahrndt
*In der kältesten Zeit des Jahres, zur Zeit des Dreikönigsfestes am 6. Januar,
wird in Russland zur Erinnerung an die Taufe Jesu Christi im Jordan der Brauch des sog.
„Jordan-Eislochs“ begangen – ein Taufritual, bei dem man ins kalte Wasser eines Eislochs springt.
In Sowjetzeiten als sportliches Eisbaden betrieben, erlebt der Brauch dieser Taufe
jetzt seine religiöse Wiedergeburt: Priester weihen das Eisloch für die Täuflinge.
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