Der Tag der Magdalena


Оригинал

Das ist August, das ist Geläut
vom Himmel hoch. Der Zeiten Wächter,
nie abgelöst und nie befreit,
Argus, schwebt schlaflos durch die Nächte.

Gemächlich strömt der Fluss daher,
es träumt das Tal, es schläft die Straße,
auch ruht die Stadt, in der bisher
noch keiner war, der GOTT gewahrte.

Kaum hörbar rascheln Zweig und Laub
im Hundertjahresbaum der Feigen.
Darunter wandelt eine Frau –
in Sünde: sommers schlaflos bleibend;

sie geht einher mit leichtem Schritt,
mit Sehnen, Augen aus Assyrien.
Ihr Name herb wie Honig ist
und warm wie Wachs: sie heißt Maria.

Der Schwung der Brauen: Majestät,
das Haupt von Locken dicht umgeben.
Marias Lied von Liebe geht,
von Jungfraun, heiter, froh zu geben.
Wie unbekümmert ist ihr Lied!
Ihr, sündhafter als alle Metzen,
gilt kein Gerede, und sie mied
der Weisen Mahnung auf den Plätzen
Jerusalems – sie kennt kein Drohn,
sie langweiln würdevolle Sätze,
verblichner Urväter Gesetze,
fremd ihr wie nun die Willkür Roms...

Der Tag bricht an, vom Licht bezeugt,
Salböl fließt über, tropft herunter
vom Napfe. Und den Nacken beugt
Maria, wartend auf das Wunder.

4 August 1991

Übersetzung aus Russisch von Erich Ahrndt

  Web design by Zlata Barshteyn, 2005.
Copyright © 2005-7, Все права защищены.